Welcher ist der ursprüngliche Jakobsweg?

Es gibt nicht den echten Jakobsweg. Wir können darüber sprechen, welcher Jakobsweg traditionsreicher ist, aber alle Strecken des Jakobsweges sind gleich authentisch. Es gibt nicht einen einzigen Jakobsweg. Es gibt viele.

Wenn wir kontaktiert und gefragt werden, welchen Jakobsweg man machen sollte, sagen wir immer das Gleiche. Alle Jakobswege haben ihre ganz eigenen Eigenschaften und Besonderheiten.

Der echte Jakobsweg

Sie müssen sich für die Strecke entscheiden, die am besten zu Ihnen persönlich und zur Jahreszeit, in der Sie pilgern möchten, passt. In diesem Artikel werden wir Ihnen abhängig davon erklären, welcher Strecke Sie für den Jakobsweg folgen sollten.

Die Wahl des Jakobsweges hängt aber nicht nur von Ihren persönlichen Eigenschaften, sondern auch von seiner Geschichte und Tradition ab. Hier sollten Sie wissen, dass die traditionsreichsten Routen nicht unbedingt am beliebtesten sind, umgekehrt aber auch nicht.

Deswegen können wir nicht sagen, dass der authentische Jakobsweg der älteste Weg ist. Auch der echte Weg ist nicht der meistbesuchte Weg. Im Folgenden fassen wir die Ursprünge der verschiedenen Jakobsrouten zusammen.

Sie werden schnell feststellen, dass alle Wege nach Santiago de Compostela gleich echt sind. Alle haben ihren ganz eigenen Grund, warum es sie gibt.

Ursprung des Jakobsweges

Der Ursprung des Jakobsweges ist auf die Entdeckung der sterblichen Überreste von Jakobus dem Älteren im 9. Jahrhundert zurückzuführen. Der Heilige wurde im Jahr 42 in Jerusalem ermordet. Seine Anhänger überführten seine Reste nach Galicien. Sie versteckten sie in einem römischen Pavillon vor Doña Lupe, der damaligen Königin dieser Gebiete.

Der Leichnam geriet in Vergessenheit und wurde im Jahr 814 vom Bischof Teodomiro entdeckt. Zwischen 820 und 830 bestätigte König Alfons II., dass die Knochenfunde zu Jakobus dem Älteren gehörten.

Zu den Gründen, warum er dies behauptete, weiß man nichts. Allerdings pilgerten ab diesem Moment zahlreiche Gläubige zur Grabstätte des Apostels. So entstanden im Laufe der Jahrhunderte die verschiedenen Routen des Jakobsweges.

Vielen verliefen auf den alten Römerstraßen, die als Verkehrs- und Handelswege genutzt wurden. Im Folgenden werden wir Ihnen die Geschichte jeder einzelnen Strecke des Jakobsweges darlegen.

Ist der erste Weg der echte Jakobsweg?

Der Camino Primitivo ist die Route, die Oviedo mit Santiago de Compostela verbindet. Er ist bekannt dafür, wie der Name schon sagt (primitivo heißt auf Deutsch ursprünglich), der erste Jakobsweg zu sein.

Der erste Pilger war kein Geringerer als König Alfons II. im Jahr 834. Er startete in Oviedo und durchquerte die Berge zwischen Asturien und Galicien und überwand die Mauern von Lugo, bis er die Grabstätte des Apostels erreichte.

Danach folgten ihm viele seine Untertanen, die die anderen Jakobswege schufen. Allerdings galt es aufgrund der Bedeutung von Alfons II. in der Gesellschaft dieser Zeit als ein Muss, an der Kathedrale von Oviedo, die Salvador geweiht war, vorbeizukommen.

Deswegen haben viele Strecken des Jakobsweges eine Variante, die an der Kathedrale von Oviedo vorbeiführt. Daraus entstand auch der bekannte Lobgesang, der Folgendes besagt: “Quién visita Santiago y no el Salvador, sirve al criado e ignora al señor” (Der, der Santiago besucht und nicht Salvador, besucht den Diener und nicht den Herrn).

Wenn wir darüber nachdenken, welcher der echte Jakobsweg ist, könnten wir meinen, dass es dieser Weg ist, weil er der erste war. Allerdings wurde diese Strecke nur für sehr kurze Zeit benutzt. Wie Sie im Nachstehenden sehen werden, eröffneten die Pilger schon bald einfachere Strecken.

Heutzutage ist der Camino Primitivo, da es sich um die schwierigste Strecke handelt, nicht allzu beliebt. Von den Pilgern, die in den letzten Jahren in Santiago de Compostela angekommen sind, sind nur 5 % dem Camino Primitivo gefolgt.

Der nördliche Weg, die Alternative zum Camino Primitivo

Der nördliche Weg durchquert den Norden Spaniens und verläuft ab Irún entlang des kantabrischen Gebirges. Diese Strecke des Jakobsweges entstand aus der Notwendigkeit heraus, einen Weg zu finden, der nicht so schwierig war wie der vom Monarchen. 

Der echte nordliche Weg

Aufgrund der Muslime war das Gebiet südlich vom Camino Primitivo gefährlich. Deswegen blieb den Pilgern in dieser Zeit nichts anderes übrig, als eine nördliche Route nach Santiago de Compostela zu suchen. Daher kommt auch der Name des Weges.

Heutzutage gehört er nicht zu den meistbesuchten Jakobswegen, obwohl er öfter ausgewählt wird als der Camino Primitivo. Etwa 6 % der Pilger benutzen diesen Jakobsweg, um nach Santiago de Compostela zu gelangen.

Der echte Jakobsweg: der französische Weg

Der französische Weg, wie sein Name schon sagt, beginnt in Frankreich, in Saint Jean de Port. Er durchquert Navarra, Huesca, Zaragoza, La Rioja, Burgos, Palencia, León, Lugo und A Coruña.

Die Geschichte dieser Strecke des Jakobsweges geht auf das 10. Jahrhundert zurück, genauer gesagt auf die Jahre, in denen die Rückeroberung von muslimischen Gebieten voranschreitet und die Unsicherheit, die in den Jahrzehnten davor südlich des Camino Primitivo vorherrschte, verschwindet.

In dieser Zeit befand sich das Machtzentrum in León. Die Könige Sancho III. der Große und Sancho Ramírez von Navarra sowie Alfons VI. bauten den französischen Weg stark aus.

Zu dieser Zeit hatte sich die Pilgerfahrt nach Santiago unter Pilgern bereits gefestigt, nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa. Der französische Weg stellte eine begehbarere Route dar als die vorigen Strecken. Das erklärt auch, warum diese Route im Mittelalter von den europäischen Pilgern am meisten genutzt wurde.

Auch heute ist der französische Weg der meistbesuchte Jakobsweg. Etwa 60 % der Pilger, die in den letzten Jahren in Santiago de Compostela angekommen sind, sind dem französischen Weg gefolgt.

Dieser Jakobsweg wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Für ihn wurde auch am stärksten die Werbetrommel gerührt, weswegen er der bekannteste Weg ist. Deswegen denken viele, dass der französische Weg der echte Jakobsweg ist.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, warum diese Strecke so beliebt ist? Lesen Sie sich dann unbedingt diesen Artikel über die Geschichte der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela durch. Dann wird Ihnen einiges klarer.

Ist der englische Weg ein echter Jakobsweg?

Der englische Weg verbindet Ferrol mit Santiago de Compostela und durchquert dabei A Coruña. Er wurde nach seinen ersten Pilgern benannt, die hauptsächlich aus England, Irland und Schottland kamen.

Viele englische Pilger landeten in den Häfen von Ferrol und A Coruña, um sich dort auf den Weg zur Grabstätte des Apostels Jakobus zu machen. Dieser Abschnitt festigte sich im 12. Jahrhundert, als ein Trupp aus Engländern, Flamen und Deutschen die Grabstätte des Heiligen besuchte. Allerdings gibt es noch frühere Beweise zur Nutzung des englischen Weges.

Heutzutage ist er von den nördlichen Wegen, die nach Santiago de Compostela führen, einer der am wenigsten bereisten Wege. Sogar der Camino Primitivo ist noch beliebter. In den letzten Jahren haben höchstens 4 % der Pilger, die in Santiago de Compostela angekommen sind, diesen Jakobsweg benutzt.

Die Vía de la Plata, ein Handelsweg

Die Vía de la Plata durchquert die iberische Halbinsel von Süd nach Nord. Diese Route gab es sogar noch vor den Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela.

Ihre Strecke verwendet zum Großteil eine alte Römerstraße, die als Handelsweg genutzt wurde. Man begann, sie als Jakobsweg zu verwenden, als die Auseinandersetzungen mit den Maurern beigelegt wurden. Viele Pilger aus dem Süden Spaniens nutzten die Vía de la Plata, um nach Santiago de Compostela zu kommen.

Man könnte meinen, dass ihr Name mit ihrem gewerblichen Wesen zusammenhängt. Allerdings resultierte er aus der phonetischen Schwierigkeit seitens der Spanisch Sprechenden, die arabischen Vokale auszusprechen. Während der muslimischen Herrschaft hieß die Route Vía Empedrada, dessen Aussprache die des Wortes Plata ähnelt.

Heutzutage gibt es diese Route noch immer. Sie wird fast ausschließlich genutzt, um nach Santiago de Compostela zu pilgern. Allerdings gehört sie zu den Jakobswegen, die am wenigsten genutzt werden. In den letzten Jahren sind zwischen 2 % und 3 % der Pilger der Vía de la Plata gefolgt.

Ist der Jakobsweg in Portugal auch echt?

Der portugiesische Weg durchquert ab Lissabon Portugal, um dann in Tui Galicien zu betreten. Dieser portugiesische Weg hat zwei Varianten: der zentrale portugiesische Weg und der portugiesische Küstenweg, der in Porto beginnt.

Die Ursprünge des portugiesischen Weges liegen, wie die anderen Jakobswege, in der Entdeckung der Überreste des Apostels Jakobus dem Älteren. Gleichwohl andere Jakobswege ihre Blütezeit im frühen Mittelalter hatten, dauerte es beim portugiesischen Weg, bis er sich festigte.

Der portugiesische Weg wurde bereits im 10. Jahrhundert benutzt. Allerdings gewann die Strecke erst im 12. Jahrhundert, nach der Unabhängigkeit Portugals, an Bedeutung. Von diesem Moment an begann eine beträchtliche Zahl von Personen nach Santiago de Compostela zu pilgern.

Jedoch war die Pilgerfahrt der Königin Elisabeth von Portugal im 14. Jahrhundert der Meilenstein, der den Jakobsweg in Portugal endgültig festigte. Der Küstenweg wurde danach geschaffen.

Der portugiesische Küstenweg entstand mit der Entstehung einer neuen Infrastruktur, mit der man den Fluss Miño überqueren konnte. Früher gab es solch eine Infrastruktur nur in Tui. Deswegen war der zentrale portugiesische Weg die einzige Alternative.

Heutzutage ist der portugiesische Weg der Jakobsweg, der am zweithäufigsten benutzt wird. Nur der französische Weg schlägt ihn. Im Vorjahr entschieden sich etwa 25 % der Pilger, die nach Santiago de Compostela gingen, für eine der zwei Routen Portugals.

Was bedeutet es, ein echter Pilger zu sein?

Alle Personen, die auf einem der Jakobswege nach Santiago de Compostela pilgern, sind Pilger, unabhängig vom Grund der Pilgerfahrt oder der Art und Weise zu pilgern.

Die echte Motivation der Pilger

Der Jakobsweg hat, wie wir bereits zuvor dargelegt haben, seine Ursprünge in der Verehrung der Überreste des Apostels Jakobus. Sein Wesen ist dementsprechend vor allem religiöser Art.

Allerdings wurden im Laufe der Jahrhunderte die Gründe, nach Santiago de Compostela zu pilgern, immer vielfältiger. Der Jakobsweg wurde weithin als Handelsweg genutzt, sowohl international als auch landesweit.

Man sollte außerdem bedenken, dass die Pilgerfahrt zur Grabstätte des Heiligen als Sühne eingeführt wurde, sowohl religiöser als auch strafrechtlicher Art. Im Mittelalter gingen viele Pilger gezwungenermaßen nach Santiago de Compostela.

Authentische Pilgerfahrt

Auch heute sind die Gründe, den Jakobsweg zu machen, sehr vielfältig. Von den Pilgern, die im letzten Jahr in Santiago de Compostela angekommen sind, sind die meisten aus religiösen oder sonstigen Gründen gepilgert.

Für 42 % lag die Motivation ausschließlich in der Religion begründet. 9 % hatten andere, nicht religiöse Gründe. In diesem Artikel erklären wir Ihnen die Motive für den Jakobsweg, die sich hinter diesen offiziellen Statistiken verbergen.

Die Kilometer des Jakobsweges

Die Entfernung, die man zurücklegt, macht einem auch nicht zu einem Pilger erster oder zweiter Klasse. Je nach dem Heimatland des Pilgers und der Zeit, die man zum Pilgern hat, kann man sich für den einen oder anderen Jakobsweg entscheiden.

Die echten Pilger schließen sich an einer beliebigen Stelle dem Jakobsweg an. Es gibt keinen vorgeschriebenen Startpunkt.

Allerdings bekommen nur die Pilger, die mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt haben, die Compostela-Urkunde. Deswegen sollte man mindestens 5 Tage Zeit haben, um den Jakobsweg zu machen. Der Abschnitt von Sarria bis nach Santiago de Compostela ist in diesem Sinne der beliebteste Weg.

Die Merkmale der Pilgerfahrt

Zu guter Letzt macht Sie die Art und Weise, wie Sie den Jakobsweg machen, auch nicht zu einem besseren oder schlechteren Pilger. Man kann den Jakobsweg zum Beispiel ohne Rucksack machen, indem man einen Transportservice bucht, oder ihn mit einem Reiseführer zurücklegt.

Man kann sich auch ganz streng an die Traditionen halten und den eigenen Rucksack tragen sowie sich in den Herbergen mit Hunderten von Pilgern ein Zimmer teilen. Alles sind authentische Formen, den Jakobsweg zu machen.

Es ist egal, ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad, zu Pferd, mit dem Schiff oder im Rollstuhl pilgert. Die Erfahrung ist immer gleich authentisch. Natürlich ist man im Mittelalter nur zu Fuß oder mit dem Pferd gepilgert, aber die Gesellschaft ändert sich und mit ihr auch der Jakobsweg.

Jetzt wissen Sie also, unabhängig von dem Jakobsweg, für den Sie sich entscheiden, und der Art und Weise des Pilgerns, dass Sie den wahren Jakobsweg machen werden. Wenn Sie möchten, dass wir Sie auf Ihrer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela begleiten, setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

Buen Camino!

Der echte Jakobsweg
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